Archiv für Februar 2011

Wissenschaft: Thesen und Fakten, dass Leonardo da Vinci und Einstein Legastheniker waren

2011/02/21

In der populären wissenschaftlichen Literatur gibt es unterschiedliche Aussagen, ob Albert Einstein und Leonardo da Vinci nun wirklich Legastheniker waren. Es gibt einige Indizien und Thesen, die für eine Legasthenie sprechen.

Es ist jedenfalls autobiografisch belegt, dass Einstein bis zum Alter von drei Jahren wenig gesprochen hat. Sobald er die richtigen Wörter abrufen musste, wie etwa in einer Fremdsprache, waren seine Leistungen eher mittelmäßig. Er sagte einmal: „Meine größte Schwäche war vor allem ein schlechtes Gedächtnis für Texte und Wörter.“ Er ging so weit zu behaupten, dass seine wissenschaftlich theoretischen Betrachtungen weniger etwas mit „Wörtern“ zu tun hatten. Seine Denkansätze entwickelte er eher vor seinen geistigen Augen, indem er sie sich vorstellte, so seine eigenen Aussagen.

Der bekannte amerikanische Neurologe und Neurowissenschaftler Normen Geschwind war sich aufgrund dieser Fakten, sicher, dass Einstein ein Legastheniker war. Geschwind war der wichtigste Hirnforscher in den 80er-Jahren des letzten Jahrhunderts. Er identifizierte die Organisation der beiden Hemisphären der Hirne (linke und rechte). Dieser erkannte auch die Ursprünge der unterschiedlichen Funktionsweisen (Teilleistungen), die bis heute eine wichtige Rolle in der Legasthenieforschung spielen.
Auch der bekannte Neuropsychologe P.G. Aaron legte anschaulich dar, wie die Zusammenhänge mit einem „rechtshemisphärischen Kompensationsmechanismus.“ Bei Leonardo da Vincis außergewöhnlichen Fähigkeiten auf vielen Gebieten als Erfinder, Maler, Bildhauer, Musiker, Ingenieur, Wissenschaftler förderte. Diese Mechanismen hingen demnach auch an den ungleichmäßigen Schriftbildern, die man in da Vincis Aufzeichnungen gefunden hatte. Er schrieb bemerkenswert in Spiegelschrift, von rechts nach links, dass mit vielen Rechtschreibfehlern. Verschiedene autobiografische Dokumente beschreiben auch seine Schwierigkeiten im Umgang mit der Sprache. In der Nähe von Personen konnte da Vinci nicht Lesen.
Es liegt dem nahe, dass beide Genies Legastheniker waren. In der heutigen Neurowissenschaft und Intelligenzforschung gibt es auch Belege für die Thesen von Aaron und Geschwind. Außerdem gab es nach Einsteins Tod von kanadischen Neurowissenschaftlern eine Autopsie seines Gehirns. Man entdeckte hinweise einer ungleichmäßigen Verknüpfung der beiden Gehirnhälften der Scheitellappen des Großhirns. Die u. a. auch für die sprachliche Verarbeitung in der linken Hirnhälfte zuständig sind.

Bis heute haben Forscher in diesen Bereichen der linken Gehirnhälfte in Studien, eine andere Aktivität und Zusammenarbeit der beiden Hirnhälften bei Legasthenikern nachgewiesen. Aus dieser Bestätigung sind auch die ungleichmäßigen Sinneswahrnehmungen beim Lernen des Schreib,- und Lese-Erwerbs zu begründen. Auch eine höhere Aktivität der rechten Gehirnhälfte bei Legasthenikern wurde in verschiedenen Studien dargestellt.

Auch aus unserer Nachforschung und persönlichen Erkenntnis decken sich diese Überzeugungen auch im engen Zusammenhang der besonderen Begabungen von Legasthenikern. Eine aktivere rechte Gehirnhälfte gleicht die weniger aktiven Bereiche der linken Hälfte wieder aus. Diese andere Aktivierung löst sehr verschiedene Fähigkeiten und Schwierigkeiten aus. Unser menschliches Gehirn ist sehr beweglich und kann die „Defizite“ in neu trainieren, damit auch ausgleichen. Alle Sinne müssen beim Lernen beachtet und angeregt werden. Sie müssen reibungslos zusammenarbeiten, um besser Lesen und Schreiben zu können. Diese Erkenntnis stützt auch unseren umfassenden Ansatz der alle Sinne fördert.

Folgerichtig liegt es sehr nahe dass Albert Einstein oder Leonardo da Vinci, wie viele andere Talente Legastheniker waren und sind.

Quellen: M. Wolf – Das lesende Gehirn S. 234 und Lars-Michael Lehmann 2011

Legastheniker haben viele Talente!

2011/02/14

Es sind nicht nur die Bekannten Persönlichkeiten wie: Albert Einstein (Erfinder, Wissenschaftler), Steve Jobs (Apple), Bill Gates (Erfinder von Windows). Die Liste von begabten Legasthenikern ist sehr lang! Auch hier in Dresden gibt es viele Legastheniker mit Talenten.

Fähigkeiten von Legasthenikern sind sehr vielfältig. Viele zeigen schon in der Kindheit spezielle Merkmale. Hier kann man nicht immer von Hochbegabungen reden. Überwiegend sind aber gute Anlagen für spezielle Interessen und Neigungen vorhanden, die es zu fördern gilt.

Manche können sehr gut malen oder musizieren. Andere sind sehr sportlich. Überwiegend bringen sie eine außerordentliche Neugier mit, um die Welt zu entdecken. Eine gute Neugier ist auch die Grundlage für viele Potenziale legasthener Kinder. Ebenfalls eine gute bis sehr gute sprachliche Artikulation, guter Wortschatz und das Denken in komplexen Zusammenhängen können frühe Talente legasthener Kinder sein. Erfahrungsgemäß haben sie auch gute zwischenmenschliche Fähigkeiten. Können sich gut in anderen Menschen hineinversetzen oder setzen sich für andere ein.

Uns ist noch kein Legastheniker begegnet, der keine speziellen Fähigkeiten hat. Auch wenn man nicht in jedem Fall von einer Hochbegabung sprechen kann. Nicht wenige sind aber hochbegabt. Leider gibt es in diesen Bereich keine Studien. Es ist davon auszugehen, dass die Zahl der durchschnittlichen Hochbegabungen bei Legasthenikern höher ist, als bei der durchschnittlichen Bevölkerung, wo man von rund 2 Prozent Hochbegabter ausgeht.

Mit unserem umfassenden Legasthenie Coaching fördern wir insbesondere die Talente legasthener Klienten. Es macht immer wieder Freude, diese bei unseren Schützlingen zu entdecken. Wir werden sicherlich darüber berichten, was wir da noch alles aufspüren werden.

Legasthenie ist in den Familien immer noch ein Tabu

2011/02/09

Familie mit legasthenen Kindern haben es in der heutigen Zeit nicht gerade leicht. Sehr oft gibt es über lange Zeit keine korrekte Klarheit, um welche Schwierigkeiten es sich handelt. Bei Kindern mit Legasthenie sind überwiegend Elternteile, Onkels, Tanten, Eltern betroffen. Meistens wissen diese Familienmitglieder selbst nicht Bescheid, weil man nie darüber gesprochen hat.

Die heutige Wissenschaft weiß aber, dass eine genetisch bedingte Legasthenie bis zu 60 % von einem Elternteil weitergegeben wird. Unsere langjährige Praxis sowie persönliche Erfahrung bestätigen diese wissenschaftlichen Thesen. Bis heute spricht man in den Familien nicht über diese Schwierigkeiten, da sie ein Makel ist. Dies liegt natürlich an unserem gesellschaftlichen Tabu. Wer nicht fehlerlos lesen und schreiben kann, ist entweder dumm oder faul. So ist es schon seit sehr vielen Jahren in unserer Gesellschaft verankert. Zumindest ist es so in unserem Kulturkreis. In anderen Ländern der Welt werden diese Fertigkeiten nicht wie hier, so überbewertet.

Schon seit sechs Jahrzehnten weiß man, dass Legasthenie sich unabhängig von der Intelligenz eines Menschen entwickelt. Dies ist viel zu wenig bei den betroffenen Familien sowie, in unserer Gesellschaft bekannt. Weil es bei uns mit einem Makel, verbunden ist, sprechen natürlich auch Familien nicht darüber. Obwohl meistens über Generationen diese Probleme bekannt sind. Wir hören immer wieder von Familien, ähnliche Aussagen wie: „Wir haben nie in unserer Familie über dieses ‚Thema’gesprochen. Es war immer ein Tabu, Schwierigkeiten mit dem lesen und schreiben zu haben.“

Unausgesprochene Tabus bringen natürlich sehr verschiedene Schwierigkeiten im Zusammenleben, ob im Alltag, Schule oder Beruf. Wir erleben es auch in unseren Institut, wie vorsichtig betroffene über dieses ‚Tabuthema‘ sprechen. Da müssen wir immer wieder Mut machen, um darüber zu sprechen. Wir vermitteln auch unseren Klienten sich in den Familien zu outen. Um es wenigstens in der Familie zu enttabuisieren.

Man sollte immer in der Familie mit diesen Schwierigkeiten so offen wie möglich umgehen lernen. Dann wird auch das leben mit diesen Schwierigkeiten viel leichter.

Innovation für Leseanfänger: Was ich alles kann…

2011/02/07

Ach, Lesen – ist doch Kinderkram? – So denken viele von uns Erwachsenen! Sie haben oft vergessen, wie schwierig das Lesen eigentlich ist. Für manche Kinder ist es ein sehr mühsamer Weg, den komplexen Vorgang des Lesens zu erlernen.

Um Meister im Lesen zu werden, braucht es gute Lesebücher für Leseanfänger, um die Welt der Buchstaben und Laute verinnerlichen zu können. Kinder mit Legasthenie benötigen einen vereinfachten Zugang zum Lesen, der alle Sinne anspricht. Als Erwachsene ist es uns nicht bewusst, dass wir uns über den  Seh- und Hörsinn einmal das Lesen antrainiert haben. Mit diesen Fähigkeiten sind wir nicht auf die Welt gekommen. Auch wenn sie für uns selbstverständlich sind. Unser Gehirn musste sich im Laufe des Leselernprozesses diese sehr komplexen Abläufe so antrainieren, um Buchstaben, Vokale und Laute usw. zuordnen zu können. Wir haben es uns im Laufe der Grundschulzeit antrainiert, um diesen Vorgang zu automatisieren. Unsere Kinder müssen diese Erfahrungen noch verinnerlichen. Kinder benötigen in der Leseförderung einen kindgerechten Zugang, um einfacher Lesen zu lernen.

Wir haben ein spannendes Projekt eines Hamburger Verlages gefunden. Lerntherapeutin Anna Dreyer hat beim Vikor und Pettl Verlag einen innovativen Versuch gestartet: Sie veröffentlichen erst neulich eine 32-seitige Broschüre mit 12 Geschichten für Leseanfänger in gedruckter Buchversion, sowie eine digitale Form für den Tablet-Computer, wie beispielsweise für das iPad von Apple mit witzigen Illustrationen und Texten für Leseanfänger.

Für Erstleser ist dieses Buch wirklich gut geeignet, um erfolgreich  Lesen zu lernen. Uns ist besonders aufgefallen: größere und klar ausgeformte Schrift, ein sehr angenehmer Abstand zwischen den Zeilen und Wörtern, der das Lesen viel angenehmer macht – und Wörter bzw. Wortgruppen, die sinnvollerweise wiederholt werden. Schöne Geschichten, die zum Sprachgebrauch der Kinder passen und mit lustigen Illustrationen aufgelockert sind. Beide Versionen sind wirklich gut für den Leseanfänger geeignet.

Wenn Sie Interesse an dieser Broschüre haben oder auf die Online-Version neugierig geworden sind, dann sehen Sie sich das Angebot hier an.

60 Prozent der Deutschlehrer haben keine Kenntnisse über Legasthenie und LRS

2011/02/03

Nach einer Befragung des Online-Portals LegaKids.net gaben rund 60 Prozent der Deutschlehrer an, während ihres Studiums keine Fachkenntnisse zu speziellen Schwierigkeiten des Erwerbs der Schriftsprache wie LRS oder Legasthenie erworben zu haben.

Die Dunkelziffer unaufgeklärter Lehrer ist viel höher

Annette Höinghaus des Selbsthilfeverbandes Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V., bestätigte im Focus-Schule Interview, dass die Dunkelziffer der unaufgeklärten Lehrer viel höher als 60 Prozent sei. Nach unseren langjährigen Erfahrungen müsste die Zahl bei mindestens 80 oder gar 90 Prozent liegen. Weiterbildung der Lehrer wird zu wenig an den Schulen angeboten, zumal  hier in Deutschland kaum vernünftige Qualifizierung gibt. Die Sichtweisen über Legasthenie und LRS des Selbsthilfeverbandes sind überwiegend nur von der medizinischen Sichtweise dominiert, daher werden Pädagogen kein umfassendes Verständnis erhalten die den Schülern Integration bringen.

Der Selbsthilfeverband hat es verpasst LRS und Legasthenie zu enttabuisieren

Durch unsere praktische Arbeit erleben wir es sehr oft, dass Lehrer kein Wissen über das Thema an Dresdens Schulen über Legasthenie und LRS haben. Auch wenn der Selbsthilfeverband immer wieder die Schulen auf die Verantwortung bewusst macht, hat sich in den letzten Jahrzehnten in punkto Legasthenie und LRS, hinsichtlich auf Aufklärung und Qualifikation nichts getan. Dies ist sicherlich auch den Selbsthilfeverband geschuldet der es verpasst hat das Thema Legasthenie und LRS im ‚Sinne legasthener Menschen‘ zu enttabuisieren. Wir sind der Meinung das es falsch ist, immer die Schuld den Lehrern zuzuweisen.  Einseitige Aufklärung nur aus einem Fokus bringt den Betroffenen keine umfassende Diagnostizierung der wirklichen Schwierigkeiten, sowie keine präventive Lernförderung – daran muss sich etwas grundlegend ändern.

Pauschale Gruppenförderung ist uneffektiv

An diesem Punkt sind sich Experten aller Fachgebiete einig, dass pauschale Lernförderung in Lerngruppen gerade bei Legasthenikern kontraproduktiv ist.  Legastheniker benötigen in den ersten Schuljahren besondere Einzelförderung, um das Lesen und Schreiben zu erlernen. Gruppenförderung  oder LRS-Klassen, Nachhilfe oder klassische Lerntherapie bringen keine Hilfestellungen für die Betroffenen auch wenn diese das Prädikat ‚LRS-Förderung‘ haben. Diese Angebote sind zumeist viel zu einseitig. Legastheniker benötigen ein individuelles Umfeld zum Lernen, viel Geduld, Ermutigung und Wertschätzung. Jeder Betroffene Schüler hat seine besonderen Eigenheiten um Lesen und Schreiben zu lernen. Eine persönliche und umfassende Einzelförderung wird schrittweise Lernerfolge bringen. Dies kann von den Schulen nicht geleistet werden, denn den meisten Lehrern fehlen die basalen Grundlagen wie man Legastheniker differenziert fördert. Sind diese Kinder zusätzlich hochbegabt werden die Herausforderungen größer, weil diese Kinder eine Begabtenförderung mit integrierter Legasthenieförderung benötigen.

Nachteilsausgleiche sind praxisfern und zu pauschal

Seit  2003 gibt es Nachteilsaugleiche in allen 16 Bundesländern die von den Lehrern in die Praxis umgesetzt werden müssten. Aus unterschiedlichen Gründen werden diese nicht umgesetzt, da  Schulleiter und Klassenlehrer keine Informationen über diese Verwaltungsvorschriften der Kultusministerien haben. In der Realität, zeigt sich auch dass diese Erlasse sehr praxisfremd sind, die regionalen Schulämter verfügen kaum über qualifizierte Experten in diesem Bereich. Viele Legastheniker erhalten dadurch keine differenzierte Diagnose und keinen Nachteilsausgleich. Für viele Familien mit betroffenen Schülern gibt es daher keine Klarheit welche Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben tatsächlich vorhanden sind. So beginnt, für viele Kinder der Teufelskreis der „Lernstörungen“,  Eltern sind völlig damit überfordert und fühlen sich mit ihren Nöten alleingelassen. Viele Familien durchlaufen dann mit ihren Kindern einen Therapie-Marathon, der sich negativ auf die Entwicklung der schulischen Fähigkeiten auswirken wird. Nicht wenige Betroffene entwickeln schwerwiegende emotionale und seelische Probleme, die nicht mit einer direkten Legasthenie begründet sind. Sie sind die ausschließliche Folge, ungenauer Diagnostik und fehlender Förderung. Erworbene Schwierigkeiten wie LRS können durch äußere Faktoren erworben sein. Bis heute streitet sich die Wissenschaft, um eine genauere Abgrenzung der verschiedenen Schwierigkeiten – obwohl es auch wissenschaftliche Belege gibt, dass nicht jedes Problem mit dem Lesen und Schreiben mit einer genetischen Veranlagung zu tun hat.  Logischerweise gibt es sehr unterschiedliche Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben die man nicht verallgemeinern darf. Bis heute werden aber alle Schwierigkeiten in einen Topf geworfen. Daher ist die staatliche Anerkennungen einer Legasthenie oder LRS immer zu hinterfragen.


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