Archiv für November 2009

Dem Rätsel der Legasthenie auf der Spur

2009/11/30

Über die Thematik Legasthenie gibt es eine überschaubare Anzahl von wissenschaftlicher Literatur. Hier in Deutschland sind die verlegten Fachbücher noch überschaubarer.

Überwiegend war die Psychologie und Medizin in den letzten Jahrzehnten auf des Rätsels Spur.Darum klingen fast alle Definitionen pathologisch, auch die Erkenntnis und Hilfestellungen sind meistens diesem Sektor zuzuordnen – man muss es bei der wissenschaftlichen Betrachtung halt wissen.

Seit vielen Jahren Lese ich wissenschaftliche Bücher über die Legasthenie, umso mehr man diese Bücher ergründet umso rätselhafter werden diesen einen erscheinen. Die wissenschaftlichen Anstrengungen waren bisher kaum für uns förderlich, da sie nicht wirklich unsere Anliegen für eine ganzheitliche Integration formulieren können. Sie beinhalten zu viel „Beschränkungen“ unserer wirklichen Möglichkeiten. Es gab von der wissenschaftlichen Seite in Deutschland bisher kaum nennenswerte Anstrengungen pragmatisch uns den Weg frei für ein selbstbestimmtes Leben zu machen. Veraltete Störbilder und Schwächen werden uns niemals den Platz in unserer Gesellschaft gewähren können – darum sind so manche Theorien und Hypothesen, sehr fraglich.

Der bekannte schottische Rennfahrer Jackie Stewart* und Legastheniker sagte einmal auf einer internationalen Wissenschaftstagung: „Sie werden nie wirklich verstehen, was es bedeutet, Legastheniker zu sein. Egal, wie lange Sie schon in diesem Bereich arbeiten, egal, ob Ihre eigenen Kinder Legastheniker sind – Sie werden nie verstehen, wie es sich anfühlt, die ganze Kindheit über gedemütigt zu werden und Tag für Tag eingeimpft zu bekommen, dass Sie es nie zu etwas bringen werden.“

Ich kann Stewart an diesen Punkt nur Recht geben! Man hat es in vielen Etappen im Leben selber sehr scherzhaft erfahren müssen, was es heißt „Legasthen“ zu sein. Die Forschung ist in vielen Bereichen sehr einseitig – wenn es nicht so traurig wäre könnte ich so manches mal, was die Wissenschaft über uns behauptet „Schmunzeln“ oder gar „Lachen“. Aber ich behalte immer den ernst der Lange im Auge!

In den letzten Jahren sah ich fast keine wissenschaftliches Arbeit was in „unserem Sinne“, und ich begann hier zu schreiben. Hin und wieder Lese, quer Beet in der wissenschaftlichen Literatur. Schon seit Anfang der 90er Jahre bin ich dem Phänomen auf der Spur. 2012 sind es dann 20 Jahre meiner eigenen wissenschaftlichen Auseinandersetzung.

Eines ist sehr sicher***: „Die Legasthenie ist eine eigene Wissenschaft mit multikomplexen Zusammenhängen, sowie verschieden wissenschaftlicher Disziplinen.“ Bis heute habe ich in meiner eigenen wissenschaftlichen Auseinandersetzung viele Zusammenhänge erkannt. Diese werden sicherlich künftig viele Bücher füllen, und bei der Arbeit für die Betroffenen eine gute Hilfe sein. Darum unterscheide ich mich auch in den Ansätzen grundsätzlich, die es hier in Deutschland noch vorherrschen.

Dass allerwichtigste Faktum ist***: Menschen die eine Erbanlage wie es die „Legasthenie“ ist haben, sind weder noch Schwach, Gestört, Krank und noch viel weniger Behindert. Ganz im Gegenteil! Im laufe der Menschheitsgeschichte entwickelten wir unsere Gehirne anders, darum muss man die Legasthenie als eine andere „geistige Entwicklung unserer Intellektuellen Fähigkeiten sehen.“ Darum sind die Bezeichnungen die uns andere wissenschaftliche Disziplinen, untermogeln wollen überheblich und vermessen.

Der britische Neuropsychologe Andrew W. Ellis** bestätigte es so: Was auch immer die Legasthenie sein mag, jedenfalls ist sie keine „Lesestörung“. Ellis hat es richtig erkannt, und will uns damit sagen: ***Dass, das Gehirn aus der Perspektive unserer geistigen Entwicklung in der Menschheitsgeschichte nie darauf ausgelegt war zu Lesen. Weil eben für das Lesen weder noch Gene zuständig sind, noch irgendwelche biologische Strukturen die jeweils dem Lesen dienen würden. Unsere Lesefähigkeiten sind im laufe der Kulturgeschichte, erlernte und genormte sowie automatisierte Fertigkeiten, die es uns Trainieren ließen zu Lesen und zu Schreiben. Unser Denkorgan muss sich diese sehr individuell Antrainieren, bei uns sind diese Trainingsmechanismen grundsätzlich anders. Als bei Menschen ohne diesen Veranlagungen.

Die Wissenschaft ist in unserem Fachbereich immer noch weit am Anfang, um dies im unserem Sinne richtig verstehen und zu sehen.

Quelle: „Sie werden nie wirklich verstehen“ Jackie Stewart*, Vortrag vor British Dyslexia Association, Shefield, Enland (2001) ** der bristische Neuropsychologe Andrew W. Ellis , On Problems in Developing Culturally Modules. Minde and Language 2(3) (1987) S.242-251.Das lesende Gehirn, Das Rätsel der Legasthenie und die Hirnstruktur S. 192. – 196 und ***Legasthenieexperte Lars-Michael Lehmann

Promiwelt: Der englische Star-Koch und Legastheniker Jamie Oliver, schrieb schon mehrere Kochbücher

2009/11/04

Jamie_Oliver

Flickrbild:Chapters/Indigo Bookstore

England Star-Koch Jamie Oliver nicht nicht nur ein Meister des Gaumens, ein er ist auch ein Legastheniker der früher nicht mit dem Lesen und Schreiben am Hut hatte. Selber war er früher in seiner Schuhzeit ein Schulverweigerer, der nicht mit dem Lesen und Schreiben wollte zu tun haben.

Heute lehrt der einen Millionen Publikum das Kochen, und in über die Grenzen Englands ein bekannter und beliebter Koch. Das er nichts mehr mit dem Schreiben zu tun hat, ist nicht aufgegangen. Denn bis heute hat er unzählige Kochbücher veröffentlicht, die er selber schrieb.

Die Gala schreibt über Ihn:

“Was ist Bildung?”, fragt er aufsässig. “Ein Haufen Zeug, von dem die Leute glauben, wir müssten es wissen. Letztendlich, wenn du eine Mauer hochziehen kannst, wenn du Malern kannst, wenn du mit anderen Menschen arbeiten kannst und, was am wichtigsten ist, wenn du herausfindest, worin du gut bist – das ist der Schlüssel.”

Das muss man nicht so sehen, in meinen Legastheniker liegen nicht immer nur praktische Fähigkeiten, sondern auch überdurchschnittlich Intellektuelle. Wichtig ist nur das man aus seinem Potenzialen etwas was, Oliver beweist es wieder einmal, dass ein Legastheniker es mit schaffen kann seinen Platz im Leben zu finden.

Lesefurcht durch verkrustetes Legasthenie-Störbild

2009/11/04

Mit der Lesefurcht haben viele Legastheniker zu kämpfen. Man hat ihnen förmlich das Lesen in der Schule verhagelt. Viele fürchten sich auch, vor dem Gelächter, nicht laut vor der Gruppe Lesen zu können. Viele erlebten schwere Demütigungen und daraus einstanden viele verschiedenen Opferrollen wie Schulversagen, Ängste, und andere Außenseiterrollen, die sich bis zum Erwachsenen Leben weiterentwickelt haben.

Im Fachbereich nennt man diese Sekundärlegasthenie, zu Deutsch: „Legasthenie mit Folgeerscheinungen.“ Diese sind bei den meisten Erwachsenen Legasthenikern sehr unterschiedlich. Dies hängt sehr oft an der persönlichen individuellen Entwicklung, auch am sozialen Umfeld der Eltern, wie sich solche Folgeerscheinungen entwickeln können. Wenn es wirklich um eine erworbene Legasthenie geht, ist meistens immer etwas schwieriger. Da sehr meistens ein Elternteil in der Familie, mitbetroffen ist. Jede soziale Schicht geht mit der Legasthenie anders um, auch jede Generation ging mit dieser Thematik anders um. Es gab auch Zeiten in Deutschland, wo man Legasthenikern besser geholfen hat – auch wenn man nicht das Wissen hat, was man heute darüber besitzt. Schon durch die Schweizer Psychologin Dr. Maria Lindner die eine Legasthenie ganz pragmatisch sah und schloss eine Lernbehinderung bei Legastheniker aus, und sprach sich auch für die spezielle pädagogische Förderung aus. Sie erkannte schon damals das sich die Legasthenie unabhängig von der Intelligenz eines Menschen entwickelt. Sie war auch der Meinung das nicht wenige legasthene hochbegabte sind. Im Gegenzug zu Ranschburg, der uns als einen Fall für die Sonderschule sah. Diese Sichtweise von Ranschburg ist in den Kreisen der Psychologen und Mediziner, heute noch vorherrschend. In einigen Medizin-Lexikas findet man heute noch die alten Definitionen von Ranschburg.

In den letzten Jahren habe ich immer wieder Legastheniker und Familien kennengelernt, wo die Kindern in den alten Bundesländern in den 50er und 60er Jahren zu Schule gingen, in dieser Zeit ist man viel praktischer mit der Legasthenie umgegangen sein. Ende der 60er Jahre bis heute machte sich wieder die Anti-Legasthenie-Bewegung im deutschen Bildungssystem bereit, sehr stark beeinflusst von der 68er-Bewegung. Da kam vermehrt die „Lernstörung“ hervor die heute noch zu 90 Prozent in allen Bereichen der Gesellschaft präsent ist. Diese falsche Sichtweise verkörpert auch der Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V., wenn man sich die Geschichte genauer ansieht, weiß man auch, warum, dieser Verband nach 35 Jahren Arbeit immer noch so darüber denkt. Er ist genauer gesagt: „Ein Kind der damaligen ‘Anti-Legasthenie-Bewegung’.“So muss man die Zusammenhänge verstehen. Darum hat sich im pragmatischen Verständnis sich auch nicht weiterentwickelt, die Kommunikation des Verbandes klingt heute noch wie Ende der 60er und Anfang der 70er Jahre. Man muss sich nur einmal alte Legasthenieliteratur aus dieser Zeit durchlesen, man wird viele Parallelen vorfinden.

Der kurze geschichtliche Exkurs zeigt uns, warum in unseren Deutschen Köpfen noch ein altes verkrustetes Störbild vorherrscht. Und wenn man Kindern vorwirft, dass sie „gestörte“ sind oder vielleicht ein Defizit haben, werden sie sich auch nicht zum Lustleser entwickeln können. Es kann einfach nicht sein, den Kindern vorzuwerfen das Sie eben schwach oder gestört seien. So entsteht nur ein großer Schaden in der persönlichen Entwicklung. Darum erlebt man immer wieder in der Praxis, das nicht wenige eher eine Lesefurcht statt Leselust entwickeln. Man muss die Vergangenheit verstehen, um auch die verschiedenen Schwierigkeiten im einordnen zu können.

Daher brauchen wir eine pragmatische Sichtweise, die Legasthenikern einen vollwertigen Zugang zum Bildungssystem ermöglichen, dass aber jenseits aller Störbilder.

Mireille Mathieu bekennt sich bei BECKMANN zur Dyslexie

2009/11/03

Mireille_Mathieu

Flickrbild: VéroniqueLegrand

Bei Beckmann am gestrigen Abend ging es um „Kinderarmut in Deutschland“. Ein sehr wichtiges Thema – was die Politik der letzten Jahre nicht wirklich wirkungsvoll behoben hat.

Die bekannte Schlagersängerin bekannte sich zur Legasthenie, auch wenn die BECKMANN-Redaktion es nicht einmal richtig übersetzten konnte, dass eine Dyslexie auf Deutsch Legasthenie, heißt. Sie erzählte nur kurz, das sie aus einem sehr armen Elternhaus stammte und die älteste Tochter von 13. Geschwistern war, und eben als Teenager hatte sie Schwierigkeiten mit dem Lesen und Schreiben. Sie begründete es weil sie eine Linkshänderin war, und man sie zu Rechtshänderin machte.

Daher ist es nicht klar wie uns die Medien bisher sagten, ob Mathieu überhaupt eine Legasthenikerin ist. Denn eine Legasthenie hat nicht mit Recht- oder Linkshändigkeit zu tun, und wird davon auch nicht davon ausgelöst. Es könnte sich dann eher um eine darum erworbene Lese-Rechtschreibschwäche (LRS) handeln, aber um keine Legasthenie.

Die gestrige Sendung zeigte wieder einmal das unsere lieben Medienkollegen viel zu wenig über das Thema Legasthenie wissen. Wenn einmal etwas in den Medien kommt ist es sehr oft, falsch.


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