Archiv für Juni 2009

Bundesverband Legasthenie: Lässt sich von Pharmalobby für Legasthenieforschung ehren

2009/06/30

Der Hermann-Emminghaus-Preis wird alle 2 Jahre vom Pharmaunternehmen Lilly Deutschland GmbH gestiftet und ging im Jahr 2009 an den wissenschaftlichen Beitragt des Legasthenieverbandes BVL e.V. an Prof. Dr. med. Gerd Schulte-Körne an den Forschungsverbund „Genetik der Legasthenie“.

Die Prämierung des Preises von 5500 Euro nahm Pof. Schulte-Körne für den BVL- Forschungsverbund entgegen. Das Ziel der Forscher beschäftigt sich mit der Identifizierung von genetischen Auffälligkeiten, die mit der Legasthenie im Zusammenhang stehen. Längerfristig seien die Bemühungen für die Etablierung von medizinischen Programmen der Frühintervention als Ziel.

Lilly Deutschland GmbH sieht im Zusammenhang auch die Legasthenie-Symptome wie bei der ADHS „diese seien aber nicht sehr spezifisch, sie können auch im Zusammenhang bei anderen Erkrankungen auftreten“. Das Pharmaunternehmen will also mit Hilfe des BVL-Experten Prof. Gerd Schulte-Körne medizinische Therapien entwickeln. Lilly Deutschland ist eines der führenden ADHS-Pharmahersteller.

Prof. Dr. med. Schule Körne arbeiten auch noch eng in seinem Forschungsverbund mit LIFE & BRAIN GmbH zusammen. Es ist ein etabliertes biomedizinisches Unternehmen mit dem Standort Bonn. Man will so zukunftsorientierte Voraussetzung für die Herstellung von zukunftsorientierten Therapie und Diagnosemöglichkeiten für „Erkrankungen des Nervensystems“ entwickeln. Daraus sollen künftig Therapiepräparate für den Bereich der Legasthenie entwickelt werden.

Bemerkenswerte Verstrickung ist auch das nicht nur Prof. Dr. med. Schulte Körne im Forschungsverbund der Life & Brain GmbH arbeitet, nein dass ist noch nicht alles. Auch Herr Prof. Dr. Markus Nöthen u.a. Leiter der Abteilung für Genomik am Forschungszenturm Life & Brain arbeitet zusätzlich noch sehr eng mit Prof. med. Schulte Körne im wissenschaftlichen Beirat des wissenschaftlichen Beirates des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkluie e.V. – Welch ein Zufall!?

Solche Verstrickungen bringen dem Bundesverband Legasthenie und Dyskalkulie e.V. keinen guten Ruf. Daher ist es so zu bezweifeln ob der BVL seine Arbeit für die Betroffenen im Lande macht, oder für die Lobbyinteresses der Pharmaindustrie arbeitet.

Dies sollte eigentlich allen Mitgliedern des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie e.V., die Augen öffnen und Ihre Konzequenzen daraus ziehen.

Quellen: Deutsche Ärzteblatt Heft 21 Jg.106 Mai 2009, Bundesverband Legasthenie e.V, Lilly Deutschland GmbH, Life&Brain GmbH, Hermann-Emminghaus-Preis, LegaKids.net

Die Wurzeln des gesellschaftlichen Tabuthemas: Legasthenie

2009/06/15

wurzeln

Seit vielen Jahren gibt es im Bereich der Legasthenie heftige Kontroversen, zusätzlich sind die Schwierigkeiten mit den Kulturtechniken immer noch ein Tabuthema. Gesellschaftlich, im Bildungsbereich, und viel zu oft in den Familien.

Unsere genormte Rechtschreibung wurde u.a. von Duden sowie von den Humantischen Aufklärern Emanuel Kant, Herder, Goethe, Lessing in die Gesellschaft getragen. Man muss sagen, dass 17. Jahrhundert legte letzte wichtige Grundlagen zur Normung der Rechtschreibung, und prägte unsere heutige Sprachkultur mehr als man wahrscheinlich vermuten möchte. Daher ist eine gute Lese- und Rechtschreibekompetenz, sehr tief abhängig von der gesellschaftlichen Akzeptanz, des Intellekts, sowie von der gesellschaftlichen und kulturellen Teilhabe. Unser Bildungssystem ist ein Kind der deutschen Aufklärer, unser Land spielte in dieser Zeit eine sehr wichtige Rolle – zu dieser Zeit sind auch die tiefgreifendsten Prägungen unseres Tabuthemas zu finden.

Desweiteren kamen auch andere Phasen in unserer Gesellschaft mit zum Tragen wie die Kaiserzeit, die von der Schulgesetzgebung her heute immer noch in verschiedenen Bereichen eine Rolle spielt. Zu dieser Zeit wurde auch unser Bildungssystem sicherlich auch geprägt.

Unser Bildungssystem wurde im dritten Reichen arg in Mitleidenschaft gezogen, gerade zu dieser Zeit kannte man im geringen Maße den Begriff Wortblindheit, die Forscher bahnten uns damals den Weg in die Sonderschule, da man uns als Kranke und Behinderte klassifizierte. Was ein Regime mit Menschen machte, die nicht zur Rassen- und Normungslehre gehörte brauche ich hier sicherlich nicht erwähnen. Leider gibt es geschichtlich keine validen Belege, Menschen die man aber im dritten Reich als Behinderte und Geisteskranke deklarierte wurden sehr oft unfruchtbar gemacht, oder wurden anderweitige Opfer des Regimes.

In der Nachkriegszeit teilten sich unsere Länder zwischen Ost und West, somit auch unsere Bildungssysteme. In den 50er und 60er Jahren gab es für viele bessere Chancen im Bildungssystem in den alten Bundesländern. Zu dieser Zeit gab es auch wieder einen Forschungsschub in Sachen Legasthenie, in der Kriegszeit war unser Land von der regen Erforschung der Legasthenie der USA abgeschottet. Daher gab es in unserem Lande in der Kriegszeit kaum wirkliche neuere Erkenntnisse außer die alten Definitionen vom Psychologen Paul Ranschburg kannte man keine anderen Sichtweisen. Diese meinte das die Legasthenie eine Entwicklungsverzögerung des Gehirns seien, und ebnete uns teilweise noch bis heute die „Sonderbeschulung“.

In den 50er Jahren erkannte zum ersten mal Dr. Maria Linder aus der Schweiz die Zusammenhänge richtig und erkannte die Legasthenie sich unabhängig von der Intelligenz entwickelte, und war nicht der Meinung das Legastheniker auf eine Sonderschule für Lernbehinderte mussten sondern, einen besonderen pädagogischen Ansatz benötigen um die Kulturtechniken zu erlernen. Zu dieser Zeit kam es zu heftigen Auseinandersetzungen die bis heute in den verschiedenen Forschungsbereichen andauern. Zu dieser Zeit verbesserte sich aber die Chance für einen Legastheniker vernünftig die Schule zu besuchen, in dieser Generation gab es einige die später Studieren konnten, dies änderte sich aber Ende der 60er Jahre wieder, da es zu einer Anti-Legasthenie-Bewegung kam, wo man doch wieder meinte das ein pathologischer Ansatz der richtige sein, das diesen Menschen mit einer guten pädagogischen Förderung das Leben zu erleichtern.

Bis heute sieht man kaum eine Verbesserung im Bildungssystem sowie eine richtige Aufklärung in unserer Gesellschaft. Diese haben sehr klar mit der Zeit der Aufklärung zu tun, mit der Geschichte des zweiten Weltkriegens. Anzumerken ist, dass es in der DDR-Zeit nach den Erkenntnissen von Ranschburg gehandelt wurden, daher waren sehr viel Legastheniker fälschlicherweise unter den Lernbehinderten anzutreffen. Das Wort Legasthenie kannte man in der DDR-Zeit weitergehend nicht. In Großstädten gab es LRS-Klassen, die es bis heute noch gibt.

Hier habe ich nur einmal ein paar Zusammenhänge zusammengestellt, die wichtig sind um das Tabuthema Legasthenie und LRS zu versehen. Es gibt sicherlich viele weitere Punkte die man hier anführen müsste.

Bildquelle: Flickr.com/iziham

Dybuster: Ein multimediales Rechtschreib-Lernsystem für Legastheniker

2009/06/12

dybuster

Die Marketingleitung der Züricher Dybuster AG schrieb mich wegen einem Test der multimedialen Lernsoftware „Dybuster“ an. Nun habe ich einige Zeit mir das Programm genauer angesehen, und werde hier etwas darüber Berichten.

Es ist eine lernpsychologisches Programm für das bessere erlernen der Rechtschreibung und soll Computergestützt die visuellen und optischen Sinnesfunktionen beim Codieren und Recodieren der Lautsprache, optischen Merkfähigkeit und Differenzierung behilflich sein. Diesem Programm soll denn Informationsgehalt durch Farb-, Form-, Topologie- und Musik-Codes entschlüsseln helfen. Da die Legasthenie mit der Verarbeitung unserer Sinneswahrnehmungen zu tun hat, versucht man mit technischen Methoden diese Fähigkeiten diesem Programm zu verbessern zu Trainieren.

Dybuster wurde Prof. Dr. Markus Gross hat verschiedene Theorien der Legasthenie aus der Legasthenieforschung zusammengetragen und hat somit das computerbasierte Forschungsprojekt Dybuster ins Leben gerufen und am Department der ETH Zürich das Lerntraining als multimediales Training zur Verbesserung der Rechtschreibleistungen zu entwickeln. Es passiert auf Neuropsychologischen Erkenntnissen und Methoden der universellen Informationstheorie und des maschinellen Lernens, womit Dybuster ein mathematisches Modell für den Sprachlernprozess im menschlichen Gehirn zugrunde liegt (Gross & Vögeli)

Nach einer Studie zufolge die im Jahre 2006 mit dem Neuropsychologischen Institut der Universität Zürich unter Prof. Dr. Lutz Jäncke mit 43 Legasthenie-Kindern im alter von 9-11 Jahren durchgeführt wurde. Das Training wurde als Ergänzung etwa vielmal wöchentlich am eigenen Computer zu Haus durchgeführt. Nach die Nachfolgenden Testergebnisse klingen vielversprechenden, die Verbesserung der Rechtschreibung so behauptet es die Studie 30 Prozent ausmachen.

Die Experten haben richtig erkannt das Legastheniker eine andere Verarbeitung der Sinneswahrnehmung (Optik, Akustik, etc.), der haken der ganzen Sache ist, dass Legastheniker sehr unterschiedliche Funktionen der Sinnesfunktionen ausweisen, diese können mit so einem schematischen Lernprogramm sicherlich niemals um 30 Prozent ausgeglichen werden, da dieses Programm niemals auf die individuellen Sinnesfunktionen abgestimmt werden kann. Daher kann ich nach meiner Expertensicht dieses Programm nicht Empfehlen. Obwohl es beim Symposium am 16. Kongress des Bundesverbandes Legasthenie und Dyskalkulie e.V. angepriesen wurde.

Selber habe ich es ausgiebig getestet und komme zum Entschluss das Dybuster sehr geringe Effekte beim Training zur Verbesserung der Rechtschreibleistungen bei Legasthenikern erzielen kann. Daher würde ich es nicht in das Training integrieren. Es gibt da viel pragmatischere Lernprogramme aus dem pädagogischen Bereich.

Außerdem geht es nicht darum durch Hilfsmittel die Legasthenie zu „Therapieren“ oder gar zu „Heilen“, sondern es gilt sie zu Kompensieren. Ein Legasthenietraining unterstützt sowieso die verschiedenen Kanäle der Sinneswahrnehmungen, dies sollte man immer mit sehr realen und paktischen, pädagogischen Ansätzen Kompensieren helfen. Ein Legastheniker lern viel besser mit sehr praktischen Methoden. Dybuster ist zu einseitig und undifferenziert. Man sollte sich niemals von tollklingenden Studien beeindruckend lassen.

Die 149,00 Euro für Dybuster – Premium, kann man sich als „Therapiewerkzeug“ sicherlich sparen.

Bildrechte: Lars-Michael Lehmann

Legastheniker brauchen Erfolgserlebnisse, für Ihre gesunde Entwicklung

2009/06/09

Legastheniker brauchen Erfolgserlebnisse

Durch meine vielen Kontakte zu Betroffenen wird mir immer wieder bestätigt, dass Legastheniker immer wieder Erfolgserlebnisse benötigen, um eben eine gesunde Persönlichkeit zu entwickeln.

Erfolgserlebnisse gestalten sich in unseren Bildungssystem das sich viel zu sehr an der Reglementierung der Rechtschreibung orientiert, recht spärlich. Daher erleben viele Legastheniker sehr oft Ausgrenzung und Mobbing, in der Grundschule. Weil man eben die
Hauptkompetenzen in der fehlerfreien Rechtschreibung misst. Andere Kompetenzen werden viel zu wenig berücksichtigt, und dies vermittelt einen legasthenen Schüler, kein gesundes Selbstwertgefühl. Da man gleich in der Schule dem Kind vermittelt DU bist nicht Normal, oder vielleicht sogar nichts Wert – da man den Kind unterstellt das es Dumm, Faul, Krank ist.

Untermauern dann noch Intelligenztests von Psychologen eine „Störung“ und „Schwäche“ dann ist der Weg leider oft für ein Leidensweg geebnet. Zusätzlich weiß man sehr selten von Expertenseite dass die Ergebnisse bei IQ-Tests besonders bei Legasthenikern falsche Ergebnisse erzeugen, die von Grund auf diesen Menschen weit unter Ihren Potenzialen einschätzen können. Daher entwickelt sich die Schulbildung sehr oft nicht zum Erfolgserlebnis, und herausragende Leistungen werden fast immer durch die Rechtschreibkompetenz durch die Benotung verschlechtert.

Da man im Bildungssystem viel zu sehr auf die Rechtschreibkompetenz wert legt, erleben Legastheniker sogar mit Hochbegabung ein Desaster im Bildungssystem, was Ihnen mehr Frust und keine wirklichen Erfolgserlebnisse beschert. Die Lebensgeschichten, die solches Erleben sind sicherlich Millionenfach. Eines muss man Wissen, das man diesen Menschen einen sehr großen Schanden zufügt. Daher entwickeln rund 40-50 Prozent seelische Erkrankungen, die sicherlich sehr negativ auf unser Gesundheitssystem und unsere gesamte Volkswirtschaft auswirken.

Erst wenn man versteht, das es bei der Legasthenie sich um keine Schwäche oder Störung handelt, sondern um eine ganz natürliche Veranlagung des Menschen kann man diesen Menschen jenseits der Therapieversuche, Helfen eine Legasthenie gut zu Kompensieren. Nur so stellen sich auch die Erfolgserlebnisse ein – Akzeptanz und Annahme dieser Menschen ist das A und O ohne sie Therapieren zu wollen. Da man die Legasthenie nicht wegtherapieren kann. Um die Legasthenie gut Kompensieren zu können braucht neue oder reformpädagogische Ansätze die man mit Technischen Hilfsmitteln unterstützt. Muss es nochmals betonen, nur so werden sich Erfolgserlebnisse bei diesen Menschen einstellen.

Man kann auch mit schlechter Rechtschreibung, Karriere machen – ungewolltes Coming-Out der ehemaligen DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer im ZDF-Chat

2009/06/08

ursula

Vernatwortungvolle, unterstütztz, Arbeitnehjmer, Vernatwortung… mit diesen Rechtschreibfehlern schreibt die bekannte ehemalige DGB-Vizechefin Ursula Engelen-Kefer im ZDF-Chat, anschießend nach der Talk-Sendung am 23.04.2009 wo sie auch als Talkgast bei Maybrit Illner war.
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Die Sendung passte irgendwie auch zum ungewollten Coming-Out der SPD-Politikerin wo das Motto war: „Viele Schulden, wennig Hoffnung?“, wo sie selber sehr klar betont: „Wir brauchen mehr Geld für Schulen und Bildung“. Wenn man sich den Chat nach der Sendung betrachtet könnte man vermuten dass es an Ihrer schlechten Bildung hängt, dass Frau Engelen-Kefer eine fürchterliche Rechtschreibung hat, die sie wahrscheinlich ungewollt im ZDF-Chat zum Besten gibt.

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Nach meiner längjährigen Erfahrung kann ich nur sagen, dass Frau Engelen-Kefer sehr typische Rechtschreibfehler einer Legasthenikerin macht. Da die meisten Fehler keine Rechtschreibfehler sind sondern Wahrnehmungsfehler. Wie z.B. vool statt wohl, opetagen statt Etagen oder Vernatwortung statt Verantwortung. Diese Rechtschreibfehler sind wichtige Indizien für eine Wahrscheinliche Legasthenie.

Also mit der Bildung von Frau Engelen-Kiefer hat es nichts zu tun, sie beweist nur wieder einmal, das Menschen auch andere Qualitäten als die Reine Rechtschreibung haben.

Quellen: Mein Pyrmonter-Sonntag vom 5.Juni 2009 und Flickr.com/Ursula Engelen-Kefer


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