Archiv für April 2009

Bad Bramstedter Legasthenikerin erzählt aus Ihrem Schulalltag

2009/04/27

Kartin Schütz aus Bad Bramstedt

Karin Schütz ist eine 15jährige legasthene Schülerin an der Bad Bramstedter Realschule aus Schleswig-Holstein im Kreis Segeberg. Sie steht zu Ihrer Legasthenie und ärgert sicht darüber, dass sie von den Lehrern oft für Dumm gehalten wird.

Weil die Situation für Sie als Legasthenikerin eher Demütigend ist, setzt sie sich dafür ein dass sich etwas im Verständnis über uns Legastheniker etwas ändern muss, auch was das unverständige Verhalten der Lehrer betrifft. Genau aus diesem Grund steht sie auch hier öffentlich für ein Interview zur Verfügung, und wird etwas aus dem realen legasthenen Schulalltag erzählen.

Lars- Michael Lehmann: Im welchem Alter hast Du erfahren das Du eine Legasthenikerin bist? Wer stellte deine Diagnose?

Katrin Schütz: Ich habe mit 11 Jahren (3.Klasse) erfahren das ich Legasthenikerin bin ,da meine Mutter mit mir ,wegen vielen Rechtschreibfehlern , zum Studienkreis Bad Bramstedt ging .Dort stellte man dann fest das ich eine mittelschwere Legasthenie habe.

Lars- Michael Lehmann: Du wirst sicherlich wissen das eine Legasthenie vererbt wird. Gib es noch jemanden in der Familie der auch von Legastheniker ist?

Katrin Schütz: Aus meiner Familie ist niemand betroffen von meinen Elter und meinem Bruder .Aber wir vermuten das ich sie von einem meiner „Opas“ vererbt habe da diese kurz vor und nach meiner Geburt gestorben sind.

Lars- Michael Lehmann: Hast Du bisher an deiner Schule in Bad Bramstedt eine spezielle Legasthenieförderung bekommen? Vielleicht ein spezielles Rechtschreibtraining?

Katrin Schütz: Ja, in der 5ten und 6ten Klasse .Aber dort wurde ich nach der 5ten Klasse herausgenommen, da dieses Förderprogramm nichts brachte und ich dennoch 2-mal Wöchentlich beim Studienkreis in Bad Bramstedt war. Für die älteren Schüler von 7te bis 10te Klasse gibt es kein Nachhilfe Programm mehr in der Schule.

Lars- Michael Lehmann: Man sagt: Rund 3 Schüler pro Klasse an unseren Schulen von einer Legasthenie oder LRS betroffen sind. Wieviele sind in deiner Klasse Legastheniker?

Katrin Schütz: In meiner Klasse sind 4 andere Kinder betroffen von der Legasthenie, an unserer Schule trifft dieses aber nicht zu wir haben im Durchschnitt 5-7 Legastheniker/innen in den Klassen.

Lars- Michael Lehmann: Als Legastheniker wird man sehr oft in der Schule als etwas Blöd und Behindert gehalten, weil man nicht fehlerlos von der Tafel abschreiben kann. Manchmal gibt es auch peinliche Situationen beim lauten Vorlesen etc. Welche Erfahrungen hast Du an deiner Schule gemacht? Wie Verhalten sich die Lehrer Dir gegenüber?

Katrin Schütz: Ja, es gibt schon peinliche Situationen wie das aussprechen von komplizierten Wörtern oder sogar den leichtesten Wörter .Die Lehrer reagieren da so drauf das sie dann wenn dieses Wort gleich falsch ausgesprochen wurde verbessern , sie geben den Legasthenen Kindern noch nicht mal die Chance ihre eigenen Fehler zu enddecken . Was sie bei normalen Kindern wiederum nicht tun.

Lars- Michael Lehmann: Was für Erhahrungen hast Du mit deinen Mitschülern gemacht? Haben diese Verständnis dafür, dass Du eine Legasthenikerin bist?

Katrin Schütz: Ja, die meisten schon doch manchmal gibt es Situationen wo sich ein paar Mitschüler darüber lustig machen und zu einem Lehrer so Sprüche bringen wie: „ Herr … können sie mir das Thema in PHY noch mal erklären ich bin Legastheniker bei dem Thema.“Obwohl dieses Mädchen hier keine Legasthenikerin ist. Solche Leute könnte man sehr gut an die Wandklatschen, was natürlich nicht geht. Aber es verletzt einen schon sehr, wenn jemand das schlechte PHY Verständnis auf nicht vorhandene Legasthenie schiebt.

Lars- Michael Lehmann: Bis heute weiß nur ein sehr geringer Teil unserer Lehrer was die Legasthenie überhaupt ist. Sind deine Lehrer richtig Aufgeklärt?

Katrin Schütz: Nein, die meisten wissen es nicht. Sie denken bei vielen Rechtschreibfehlern nur das jemand zu dumm ist wenn man nicht weiß das dieser Legastheniker ist .Und dann kommen auch Sprüche wie : „ Lern lieber mehr für den Vokabeltest anstatt hier zu schlafen oder lern lieber mehr sonst fliegst du runter und das schlimmste war einmal das ein Lehrer sagte :“Auf der Hauptschule waren schon so manche die ich Unterrichtete hier auf der Realschule und die dann überglücklich waren das sie gute Noten in den Fächern Deutsch Englisch und Mathe haben .“ Bei solchen Aussagen bekommt man als Legastheniker einfach nur Tränen in den Augen und denkt wieso bin ich so dumm.

Lars- Michael Lehmann: Was müsste nach deiner Meinung sich ändern, um das auch Lehrer mit einen legasthenen Schüler besser umgehen?

Katrin Schütz: Lehrer müssten mehr Fortbildungen besuchen oder es müsste ganze Legasthene Klassen geben mit Fachlehrern die Verstehen was in so einem Kind vorgeht die langsam arbeiten so das die Legasthenie möglichst früh „bekämpft“ wird. Hierzu müssen sie einfach mehr Verständnis aufbringen und nicht zu einem Legasthenen-Schüler der sich anscheinend selber aufgegeben hat sagen: „Na … geht dein Gehirn wieder zu langsam.“ Die meisten Schüler sehen das als Spaß und lachen aber es ist nichts lustig für den Betroffenen. Lehrer müssten einfach mal sich ordentlich aufklären lassen, was in den Kindern abgeht die Wahrnehmung und Ängste.

Lars- Michael Lehmann: In jedem Bundesland gibt für Legastheniker einen Nachteilsausgleich in der Schule z.B.: Zeitzugabe bei schriftlichen Prüfungen, oder in Deutsch wird die der mündliche Ausdruck bewertet, statt die Rechtschreibkompetenz. Haben da Lehrer darauf Rücksicht genommen?

Katrin Schütz: Nein, ich habe auch erst Donnerstag erfahren das es so etwas gibt. Meistens müssen wir genauso mitarbeiten wie die anderen Schüler, es gibt nur eine Nichtwertung von schriftlichen Noten in Diktaten und Aufsätzen, aber der Ausdruck und all dies wird in einem Aufsatz gewertet.

Lars- Michael Lehmann: Wie empfindest Du dich als Legasthenikerin in der Schule und unserer Gesellschaft. Schilder ruhig deinen Frust, aber auch deine guten Erfahrungen.

Katrin Schütz: Gute Erfahrung ist es wenn man in einer kleinen nachhilfegruppe mit Schülern seines Alters zusammen sitz und über diese Schwäche redet oder sogar etwas über die Lehrer lästert und Sachen erzählt die einen Ärgern. Schlechte Erfahrungen sind halt all diese Sprüche von den Lehrern von Mitschülern und das man ausgelacht wird wenn man das leichteste Wort falsch schreibt hierzu ist es deprimierend wenn man in Vokabeltest in Englisch und Französisch zu hören bekommt ,dass man mehr lernen soll wenn man schon 3 Tage bracht um 54 von den Angeforderten Vokabeln zu lernen ,obwohl nur 20 abgefragt werden . Irgendwann verlässt einen den Mut und man gibt auf man schriebt sechsen und nur manche schaffen es sich wieder zu fangen ,indem man Wut auf Lehrer hat und den zeigen will das man nicht dumm ist so kommt man von einem durchschnitt 3.0 (was durchaus nicht schlecht ist ) auf einen Durchschnitt von 2.2 .

Lars- Michael Lehmann: Du absolvierst  im nächsten Jahr deinen Realschulabschluss. Wie wird es danach für dich weitergehen? Hast Du schon einen Wunschberuf? Ist es auch ein Beruf der deinen Interessen und Begabungen entspricht?

Katrin Schütz: Ich mache nächstes Jahr meinen Realschulabschluss und würde gerne weiter zur Schule gehen und irgendetwas interessantes Erlernen wie Polizistin.

Lars- Michael Lehmann: Als Legastheniker hat man nicht nur Schwächen! Welche Stärken und Begabungen hast du als Legasthenikerin?

Katrin Schütz: Ich habe sehr viel Fantasie die ich in Aufsätzen umsetze hierzu bin ich sehr sportlich und Kreativ, auch wenn ich dieses meist nicht umsetzten kann.

Lars- Michael Lehmann: Was muss sich in unserem Bildungssystem ändern um das Legastheniker nicht mehr diskriminiert werden?

Katrin Schütz: Lehrer sollen mehr über Legasthenie erfahren! Sie sollten keine dummen Sprüche gegen diese Kinder sagen! Man sollte als Lehrer eine extra Fortbildung besuchen und vor allem man sollte versuchen diese Kinder zu verstehen, wenn sie Angst haben zu sagen das sie noch Zeit zum Lesen brauchen, wenn sie Angst haben vor arbeiten. Man sollte alle Kinder rein generell mehr aufbauen und nicht so viel meckern man könnte auch am morgen mit den Kindern sogenanntes Konzentrationstraining machen. Ich denke das würde auch nicht anderen Kindern schaden.

Herzlichen Dank an Katrin Schütz für das sehr offene und nette Interview zum Thema Legasthenie im Schulalltag.

 Uns zeigt es wiedermal, wie schwierig es ist als Legastheniker im Bildungssystem zu Exsistieren, und vieviel Unwissenheit und Unaufgeklärtheit noch vorhanden ist. Besonder unsere Lehrer benötigen dirgend in diesem Bereich weiterbildungsangebote. In diesem kurzen Interview wird aber wieder deutlich das auch Legasthenikerinen, Begabungen und Stärken haben die es zu fördern gilt. Man kann nur Kartin Schütz wünschen das Sie Ihren Weg nach Ihrer Schule gehen kann, um eben entsprechend Ihrer Begabungen und Interessen einen Beruf erlernen kann, der Ihr auch Freude macht. Und vielleicht wird es dann auch der Beruf einer Polizistin. Ich werde Sie weiter journalistisch Begleiten..

 

Bildquelle: Privat von Katrin Schütz


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