Archiv für März 2009

Mein Erfahrungsbericht übers Bloggen, auf Blogpatenschaften.de

2009/03/28

Lars Michael Lehmann betreibt seit einigen Jahren erfolgreich das Blog “Legasthenie ist keine Schande” und twittert unter @legastheniker. Ich freue mich über seinen Erfahrungsbericht, indem er anderen Mut macht, auch mit “speziellen Themen” an die Öffentlichkeit zu gehen:

Eigentlich war es ein sehr langer Weg mich so schriftlich zu Outen, da die Legasthenie zum einen kaum bekannt war, und zum anderen kannte ich ja den Spott und Hohn als lagasthener Mensch. Das eben auf allen Ebenen in meinen Leben. Ob im Bildungssystem, im Berufsleben oder auch manchmal im allgemeinen Leben. Denn unser andere Lebensform ist rundum anders, da wir mit unseren Sinnen unsere Welt anders Wahrnehmen, eben auch Buchstaben, Symbole, Sprache. Ich wusste immer, das legasthenes Leben, etwas anderes ist als das „Normale“ Leben, durch mein Bloggen eröffneten sich neue Welten, lernte viele neue Dinge verstehen, bekam die Möglichkeit das Thema allumfassend zu beleuchten, das auch noch schriftlich. Zuvor habe ich nie etwas mit dem Schreiben, so recht etwas zu tun haben wollen.

Ich weiß es noch genau, es war ende Mai 2007 das las ich den Artikel im Wirtschaftsmagazin Brand ein: „Achtung! Sie betreten den Kreativen Sektor“ Das war für mich der Schlüssel, das ich zu Bloggen begann, denn da verstand ich das Prinzip der Legasthenie, auch wenn nichts darüber im Artikel stand, es war aber eine perfekte Umschreibung, was bei mir so immer los war. Denn es ging um die kreative Klasse, und eben um die Gestörten, um die latent gehemmten die Menschen bei denen alles wie eine Wasserperle abprallte, und stupide Arbeiten verzichten konnte. Selber für mich erkannte ich das ich eben zur Gruppe der „Gestörten“ gehörte, eben zu den kreativen Spinnern die kaum richtig Schreiben und Lesen können, eben die, die man von der latenten Masse her als Idioten, dumme und Spinner verunglimpft hat. Nun wurde mir alles klar, denn ich suchte und suchte nach einer Antwort wie ich die Legasthenie immer meinem Umfeld erklären konnte. Leider Wissen noch viele immer noch nicht, was mit der Legasthenie so an sich hat, nun sah ich aber meine unverständliches Leben, es gab Zeiten wo ich nicht Verstanden hatte, warum ich einfach anders war, als eben die anderen, warum ich nicht über die Witze lachen konnte, warum ich eben so einen Gerechtigkeitssinn und so ein vielschichtiges Wissen im mir hatte, was mit Schnelligkeit und ganzheitlich in Windeseile, assoziativ Gedanklich oder Kreativ umsetzten konnte. Für die Behörden und für die normale Gesellschaft war ich nicht ganz richtig im Kopf. Nein, für die ja. Selber wusste im inneren das ich doch normal bin, aber bei läuft eben etwas anders ab. Warum das so wusste ich nicht, seit dieser Zeit wusste ich das ich doch anders und total normal bin.

Dies neue Erkenntnis musste ich der digitale Welt da draußen erzählen, erst etwas zaghaft. Dann bekam ich aber immer mehr Besucher, diese fanden es mutig zu Outen, und ich wusste ich tat hier etwas was meine Berufung ist. Ja, zu schreiben! Das als Legastheniker, und Lesen. Das war ein Befreiungsschlag, und die Besucherzahlen wuchsen und wuchsen, bekam die Möglichkeit ein Studium zum diplomierten Legasthenietrainer zu beginnen, was eigentlich Experten machen, man bemerkte aber mein vielschichtiges Wissen, das ich mich vielschichtig mit der Materie auskannte, dann trat ich in den: „Deutschen Verband der Pressejournalisten e.V.und Deutschen Dachverband Legasthenie e.V. ein.“, heute Stelle ich auch Legasthenie oder LRS Diagnosen, Trainieren Legastheniker aller Altersklassen, und Coache Sie mit meinen umfangreichen Fachwissen als Betroffener Legasthenieexperte. Bis heute habe vielschichtige Kontakte bekommen, auch zu erfolgreichen Legastheniker, und lernte viele Betroffene kennen, aus alles Schichten und Altersgruppen von 6-84 Jahren. Alle sind Menschen haben interessante Geschichten hinter sich, manche war zum heulen wegen der Ungerechtigkeit, einige zum Schmunzeln, manche zum Stauen. Der allergrößte Teil aber, leider Traurig, wie noch heute eben die Menschen, wie es mir selber ging aufgrund einer anderen Veranlagung an den gesellschaftlichen Rand gedrängt werden.

Ich könnte fast nur ein Buch über das Bloggen schreiben.. Selber kann ich es nur Raten, besonders mit speziellen Themen an die Öffentlichkeit zu gehen. Eben mit einem Weblog kann man diese Gegenöffentlichkeit sehr gut gestalten. Ich würde mich über eine Blogkultur in Deutschland freuen. Denn es ist auch eine Chance für unsere wissensgesellschaftliche Entwicklung.

Euer Lars Michael Lehmann
Legasthenieexperte und Fachjournalist

Link zum Artikel

Legastheniker haben enorme Schwierigkeiten beim abschreiben – erleben daher sehr viel Schikane!

2009/03/11

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Heute höre ich immer noch die verzweifelten Stimme meiner Mutter, der Lehrer. Diese konnten es meistens immer nicht richtig verstehen warum ich selber nie fehlerlos abschreiben konnte. Manchmal konnte man den Text um das vielfache abschreiben, es waren aber dennoch Fehler im Text zu finden – für alle Beteiligten war als eine sehr schwierige Situation. Man wurde immer ermahnt: „konzentriere dich doch mal“,“ reiß doch mal deine Gedanken zusammen“ usw.

Diese mahnenden Worte, brachten wir nicht viel. Sondern brachten mir nur Frust allgemeinen beim ausüben der Kulturtechniken. Heutzutage ist es für viele Betroffenen in der Schule, oder wenn er sie sogar auf die Uni geschafft haben nichts anderes. Bei einem Legastheniker der Diplom Sozialarbeiter ist, habe ich gelesen, dass er selber sogar auf der Fachhochschule für Sozialarbeit, enorme Häme einstecken musste:“ nur weil er, nicht fehlerfrei von der Tafel abschreiben konnte, beziehungsweise ohne Fehler auf der Tafel schrieb“. Seine Mitkommunitonen, meinten sogar:“ was hat denn ein Legastheniker, auf eine Hochschule zu suchen!“. So ähnlich waren teilweise die Aussagen. Diese Aussagen kenne ich selber auch, vor rund sieben Jahren wollte ich ja selber Fotograf werden, hier im Berufsförderungswerk Bad Pyrmont, da meinten auch die Experten wie ich es nur wagen könnte Fotograf zu werden! Das mit überdurchschnittlicher Begabung! Ja solche Krassen Erlebnisse müssen viele Betroffene im Lande erdulden. Vieles passiert natürlich aus Unwissenheit, ist aber keine Entschuldigung! Denn die Betroffenen, und die gesamte Volkswirtschaft muss es ausbaden, inklusive Steuerzahler.

Das erleben viele, heute noch in der Grundschule, aber auch in vielen anderen Bereichen. Darum sollte man gerade darauf achten:“ dass man einen Legastheniker, niemals dazu zwingt in der Öffentlichkeit laut zu lesen, oder vielleicht ihm an der Tafel schreiben zu lassen, um das er dann bloßgestellt wird.“ Dieses bloßgestelltsein, müssen viele Betroffene sehr schmerzlich schon von Beginn an in der Grundschule erleben. Müsste man aber über die Legasthenie genauer Bescheid, könnte man sicherlich diese schmerzlichen und demütigenden Erfahrungen vermeiden helfen.

Am allerschlimmsten ist zumeist, dass man den Betroffenen unterstellt das sie üben wie dumm sind. In Wirklichkeit hängt es an einer anderen Verarbeitung der Sinnesorgane, die diese Fehler auf Hervorbringen. Die andere hervorgerufene Wahrnehmung und Verarbeitung der Sinneseindrücke, bringen diese so genannten Rechtschreibfehler hervor. Darum sprechen auch diverse Experten von Störungen und Schwäche, was aber sicherlich bei einem Prozentsatz von rund 10-15 % nicht richtig sein kann. Die Legasthenie ist einfach eine natürliche Veranlagung, die einfach sehr praktische und pädagogische Hilfe benötigt. Denn wenn man Menschen schon seit Kindesbeinen, unterstellt das sie dumm sind, werden sie niemals den Weg in die Integration in unserer Gesellschaft schaffen. Denn gedemütigte Menschen, sind gebrochene Menschen. Unser Bildungssystem produziert, sowieso sehr viel gebrochene Menschen im Bildungssystem. Bei uns Legastheniker geht man davon aus dass bis zu 40 % seelisch erkranken, nur weil man nicht in der Lage ist Ihnen schon in der Grundschule explizit zu helfen.

Durch meine langjährige Erfahrung als Experte, und Betroffener muss ich erst sehr oft sehen und erleben, dass eben viele Legastheniker aufgrund der Unwissenheit kaum eine Normale Möglichkeit haben sich in unserer Gesellschaft zu entwickeln. Die Lage im Lande muss sich verbessern, die Bildungspolitiker sind aufgefordert vernünftige Rahmenbedingungen geschaffen. Es kann nicht sein das man eben die rund 10-15 % an Bildung die ihrem Intellekt entspricht hindert – da die Lage so ist: „ist es für mich zum Anliegen geworden, meine Arbeit genau diesen Menschen zu widmen“, und das nicht erst so viele noch so ein Leben durchleben müssen wie ich es selber erlebt habe. Denn es ist jemanden zu wünschen.. Genau diesem Grunde gründe ich im Sommer 2009 die private Bildungseinrichtung: „Legasthenie Coaching“ in der sächsischen Landeshauptstadt Dresden weil es mir einfach an Herzensanliegen ist, den nachfolgenden Generation usw. zu helfen. Daher kann ich nur hoffen, dass es eben die nötige staatliche Unterstützung für meine Gründung gibt.


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